Mehr experimentelle Räume

Wie aus Brachflächen lebendige Sozialräume werden, darüber diskutierten die Teilnehmenden beim Jugendforum Stadtentwicklung. Für sie steht fest: Großstädte brauchen Freiräume wie die Luft zum Atmen.

Wir sind auf dem Jugendforum Stadtentwicklung. Anna von Bernegg vom Urban Catalyst Studio leitet den Workshop zum Thema „Grundbedürfnisse, Durchschnitts- und Traumausstattung einer Großstadt“ und betont dabei die Notwendigkeit umzudenken: „Neubau ist häufig nicht zielführend. Eher sollten die Chance genutzt werden, bereits bestehende Räume umzufunktionieren oder neu zu erfinden.“

„Kultur des Machens“ haucht Brachen neues Leben ein 

In ihrem Eingangsstatement zeigt Bernegg anhand von sehr konkreten Beispielen, wie das gelingen kann und welche Arten von Brachflächennutzung in der Stadt vorstellbar sind für neue Projekte. Einer dieser Orte ist der Mellowpark Berlin, welcher sich von einer Ansammlung selbstgebauter Rampen auf einer Wiese zum größten Skate- und BMX-Park Europas entwickelte.

Die Gestaltung des Geländes stellte die jungen Menschen vor die große Herausforderung, die Interessen vieler unterschiedlicher Gruppen unter einen Hut zu bringen. Die Anwohner und Anwohnerinnen wünschen sich natürlich, dass es ruhig in der Nachbarschaft zugeht, die Autofahrer und Autofahrerinnen vermissen ihre Parkplätze auf der Brache, während die Skaterinnen und Skater von der Errichtung eines Olympia-Standortes träumen. Durch ein hohes Maß an Eigeninitiative, finanzielle Unterstützung durch Firmen und eine ausgeprägte „Kultur des Machens“ entsteht schließlich ein einzigartiges Gelände, welches von ständigem Wandel und gemeinschaftlicher Zusammenarbeit geprägt ist.

Voneinander Lernen

Anderes Beispiel, anderer Ort: In Hannover entdeckt die Gruppe „Platz.Projekt.“ einen Parkplatz in einem abgelegenen Industriegebiet. Im Stadtzentrum herrscht unlängst Mangel an Freiraum. Auf dem Areal entsteht schließlich eine Mini-Stadt. Sie besteht aus kleinen, in ausgedienten Frachtcontainern angesiedelten Start-Ups und lebt von der Unfertigkeit des Projektes.

Letzteres ist laut Bernegg äußerst wichtig. Es lasse Raum, um das Projekt mit den teilnehmenden Personen weiterentwickeln zu können – ein weiterer zentraler Aspekt der gemeinsamen Raumnutzung sei schließlich die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Jemand weiß vielleicht, wie man Rohre verlegt, ein Anderer kennt sich mit dem Schreinerhandwerk aus und bringt es seinen Mitmenschen bei.

Jugendliche denken frei

Auch wenn über Details äußerst heftig debattiert wird, sind sich die Jugendlichen in einem Punkt einig: Großstädte brauchen Brachflächen ohne einen definierten Zweck und Nutzen, in denen Menschen kreativ experimentieren können. „Besonders junge Menschen benötigen Freiräume in ihrer Stadt, welche sie selbst beeinflussen können, um sich auszuprobieren und austoben zu können“, fasst Teilnehmerin Myriel Mathez die einhellige Meinung im Team zusammen.

Siehst du das auch so? Sag uns deine Meinung!

 

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