Hauptsache nicht weiter wie bisher

Roman-Francesco Rogat (27) studiert Wirtschaft und Politik und glaubt an die Freiheit des Einzelnen. Jetzt kämpft der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen für die FDP um ein Mandat im Abgeordnetenhaus.

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„Ich wollte noch nie aus Berlin weg. Es ist halt einfach die großartigste Stadt der Welt“, sagt Roman-Francesco Rogat. Ein Verdienst der Politik sei das allerdings nicht. Foto: Ilja Alexander Wehrenfennig

Liberale Politik begleitet Roman schon seit seiner Schulzeit. Als er sich im Unterricht mit der Analyse politischer Reden auseinandersetzen soll, findet er zum ersten Mal parteipolitische Anknüpfungspunkte. „Die Reden von Guido Westerwelle waren der Beginn, wo ich gesagt habe: Irgendwie hat der Mann ja Recht, das sehe ich genauso“. Die Arbeit der Partei im Bundestag ab 2009 enttäuscht ihn jedoch. Ebenso die Piraten, die er 2011 nach ihrer Gründung für kurze Zeit als Alternative in Betracht zieht. Schließlich die Entscheidung: „Als die FDP 2012 bei den Umfragen gerade ganz unten war, dachte ich mir, ich kann da jetzt auch Mitglied werden. Was sollte ich dort noch kaputt machen?“

Junge Ideen in die FDP tragen

Ein Jahr später trat Roman zusätzlich den Jungen Liberalen bei, ist seit 2015 Vorstand im Berliner Landesverband. „Wenn man die Partei verändern will, kann man das nur gemeinsam mit Gleichgesinnten machen.“ Für ihn sind die JuLis eine unverzichtbare Ergänzung der Mutterpartei. Als junge progressive Kraft wollen sie ihre Ideen in die FDP mit einfließen lassen und so die Politik der Partei aktiv mitgestalten. Das hat laut Roman auch schon Früchte getragen: „Das prominenteste Beispiel ist die Cannabis-Legalisierung. Das war in Berlin schon relativ lange im Programm. Dafür, dass das seit letztem Jahr auch Beschlusslage im Bund ist, haben alle Julis aus Deutschland zusammengearbeitet.“

Auch bei den Jungen Liberalen läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. „Wir sehen uns auch ein Stück weit als Kampagnen-Organisation, die mehr auf die Straße geht und kreativer auftritt als die alte Partei.“ Neben seiner eigenen Kandidatur sei er daher vor allem damit beschäftigt, den Laden zusammenzuhalten und Menschen für die tägliche Wahlkampfarbeit zu motivieren.

Ein kompletter Neoliberaler

Auf die Frage, was es denn für ihn bedeute, ein Liberaler zu sein, lächelt Roman leicht gequält. „Ich würde mich als kompletten Neoliberalen bezeichnen“, meint er und fügt schnell hinzu: „Ich empfinde das nicht als negativ.“ Der Begriff sei in der Vergangenheit pervertiert, nicht zuletzt auch durch die wirtschaftszentrierte Politik der FDP im Bundestag. Er selbst habe darum anfangs mit der Partei gefremdelt. „Dieser reine Wirtschaftsfokus ging mir voll auf die Nerven.“ Als Liberaler müsse man versuchen, die Freiheit des Einzelnen in den Mittelpunkt zu stellen. „In der Praxis kann das dann ganz unterschiedlich aussehen.“

Für Roman sind Abtreibungen und Drogenkonsum individuelle, private Entscheidungen, in die sich ein Staat nicht einzumischen hat. Für ihn betreffen sie ausschließlich den eigenen Körper. In anderen Dingen wiederum müsse die Gesellschaft den Einzelnen entlasten, so beispielsweise beim Thema der gesetzlichen Versicherungspflicht. „Da hat die FDP, Gott sei Dank, nachdem sie aus dem Bundestag rausgeflogen ist, dazugelernt: Dass Liberalismus eben mehr ist, als Steuersenkungen und Deregulierung.“ So kämpft Roman zwar gegen das Ladenschlussgesetz, bekennt sich aber zur Notwendigkeit des sozialen Wohnungsbaus. Der Neoliberalismus soll wieder vom Ruf der sozialen Unverantwortlichkeit befreit werden.

Mehr Wohnungen, weniger Vorschriften

Roman kandidiert für die Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick und für das Abgeordnetenhaus als Direktkandidat mit Listenplatz. Trotz seiner Kandidatur für die BVV ziehe es ihn in die Landespolitik. Sein Thema: Stadtentwicklung. „Das ist voll untypisch für einen Jugendpolitiker, liegt aber vor allem an meinem Wahlkreis.“ Der Fahrrad-Volksentscheid, der Bau der A100, der Streit um den Treptower Park als Festivalgelände – an der Frage, wie ein lebenswertes Berlin gestaltet werden müsse, kommt er hier nicht vorbei. Im Abgeordnetenhaus möchte er sich für mehr, auch sozialen Wohnungsbau einsetzen. Um mehr Tempo in die Sache zu bringen, müsse man die aktuellen Bauvorschriften auf den Prüfstand stellen: „Sind so viele Regularien nötig, um das durchzuziehen? Müssen wir eine Traufhöhe haben? Können wir nicht einfach nach oben bauen? Muss es denn zwingend einen überdachten Fahrradstellplatz geben oder können wir nicht einfach sagen: Hauptsache ihr baut Wohnungen.“ Dass ein bestimmter Prozentsatz dieser neuen Wohnung zu sozialverträglichen Preisen vermietet werden soll, könne man ja mit den Investoren aushandeln

Darüber, dass die FDP am 18. September nicht genug Stimmen für den Wiedereinzug erhalten könnte, macht sich Roman keine Gedanken. Keiner könne sich das zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorstellen. Ohne liberale Kraft im Parlament sei die Gefahr für ein „Weiter so!“ in der Stadtpolitik einfach zu groß. Das ist für Roman keine Option. „Berlin muss den Anspruch haben, Weltmetropole zu sein und nicht Provinzdorf.“

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