Lust machen auf Demokratie

Neun Tage vor der Abgeordnetenhauswahl finden die U18-Wahlen statt, bei der Kinder und Jugendliche den Urnengang simulieren. Doch dem Projekt geht es um mehr. Drei Fragen an die Programmkoordinatorin Diana Föls.

Projektkoordinatorin Diana Föls will mit der U18-Wahl politische Prozesse praxisnah vermitteln. Foto: Henrik Nürnberger
Projektkoordinatorin Diana Föls will mit der U18-Wahl politische Prozesse praxisnah vermitteln. Foto: Henrik Nürnberger

Was bringt so eine symbolische Wahl eigentlich?

Wenn junge Menschen volljährig sind, sollen sie plötzlich Verantwortung übernehmen, eine Meinung haben und natürlich zur Wahl gehen. Aber wer bereitet sie darauf vor? In der Schule gibt es zwar den Bildungsauftrag, auch politische Fragen zu behandeln, doch können nie alle beantwortet werden: Was machen die Parteien? Wie arbeiten Politiker? Und wie laufen Wahlen eigentlich ab? Auch um den kritischen Blick zu schärfen, wurden bereits vor 20 Jahren die U18-Wahlen ins Leben gerufen, um von der Grundschule bis zur Oberstufe ganz praxisnah zu vermitteln, wie das alles funktioniert. Neben der U18-Wahl am 9. September, finden drumherum viele Projekte statt, in denen sich Heranwachsende mit politischen Prozessen befassen können. Dazu werden noch mehrere Infomobile in Berlin unterwegs sein, die Materialen verteilen und darin einen für Schüler verständlichen Überblick zu den Parteien geben. Einfach gesagt, soll die U18-Wahl Interesse an der Demokratie stiften und deutlich machen, dass politische Entscheidungen auch für das Leben der Heranwachsenden von großer Bedeutung sind.

Wie ist die Resonanz?

Gut! Nach dem bisherigen Stand organisieren überall in Berlin verschiedene Jugendeinrichtungen, Schulen, Bibliotheken und ganz viele Sportvereine insgesamt um die 170 Wahllokale vor Ort. Weitere interessierte Einrichtungen können sich melden! Eigentlich entstammen die U18-Wahlen ja dem Jugendfreizeitbereich, doch kamen in den vergangenen Jahren immer mehr Schulen als Partner hinzu. Dort finden sich viele Lehrer oder Sozialarbeiter, die die U18-Wahllokale zusammen mit den Schülern als Projekttag organisieren. Die Auszählungen nehmen die jungen Leute in die Hand; die Hochrechnungen werden nach 18 Uhr sogar bei einer Live-Sendung mit Politikern im offenen Kanal ALEX diskutiert.

Warum sollten junge Menschen nicht schon ab 16 fürs Abgeordnetenhaus wählen dürfen?

Von mir aus sehr gerne! Zu genau dieser Frage war ich auf dem Berliner jugendFORUM zu Gast bei einer spannenden Diskussionsrunde. Auch dort war es sehr interessant zu sehen, wie engagiert jüngere Jugendliche ihre Meinung vertreten und Verantwortung übernehmen wollen. Sie wissen, welche Probleme es in der Stadt und an ihrer Schule gibt und können sich gegenüber Politikern klar ausdrücken. Ich finde, es ist deshalb längst überfällig, auch mit 16 das Abgeordnetenhaus wählen zu können. So eine junge Stadt wie Berlin sollte da nicht Schlusslicht, sondern Vorreiter sein.

 


 

Termine rund um die U18-Wahl:

  • 30.08. bis 03.09.: Das U18-Wahlmobil des Jugendzentrums „Betonia“ ist auf Tour an neun Stationen in Berlin
  • 03.09. ab 14 Uhr: Wahlzirkus „Schöner leben ohne Nazis“ in Marzahn-Hellersdorf
  • 08.09.: Einsendeschluss für den U18 Wahlurnen-Wettbewerb – gesucht wird die kreativste und schönste Wahlurne 2016! Fotos davon an berlin@u18.org
  • 09.09. von 9 bis 18 Uhr: U18-Wahl an über 170 Wahllokalen in Berlin
  • 09.09. ab 18 Uhr: U18 Wahlsendung vom offenen Kanal ALEX – live aus dem Berliner Abgeordnetenhaus. Rechtzeitig anmelden bei berlin@u18.org

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.