„Mehr dafür sorgen, ansprechbar zu sein“

Benjamin Hudler (24), Vorsitzender der Jungen Union Lichtenberg, kandidiert für die BVV. Der Jurastudent spricht im Interview über Digitalisierung im Bezirk, die Ziele seiner Jugendorganisation und das Verhältnis zur Mutterpartei.

Benjamin Hudler - Foto Privat
„Neben den Themen Bildung, Digitalisierung und Wirtschaft ist es uns wichtig, den Mietmarkt für Studenten durch Wohnungsbau zu entlasten“, sagt Benjamin Hudler, Student der Rechtwissenschaft und Vorsitzender der Jungen Union Lichtenberg. Foto: privat

 

Was bewegt euch bei der Jungen Union zurzeit in Lichtenberg?

Vieles. Zum Beispiel das Thema Bildung. Gerade in Lichtenberg merken wir, dass es an vielen Standorten, sei es in Hohenschönhausen oder in Karlshorst, an Schulen fehlt. Es gibt also nicht nur einen Sanierungsstau an den bestehenden Schulen, sondern es fehlen Kapazitäten insgesamt. Ansonsten versuchen wir, das Thema Digitalisierung voranzubringen. Bei uns im Bezirk gibt es Gegenden, wo Schulen nicht ans digitale Netz angeschlossen sind oder wo die Bandbreite an normalen Wohnhäusern so gering ist, dass Menschen da nicht einmal surfen können. Das geht völlig vorbei an dem Anspruch Berlins, eine moderne Hauptstadt zu sein. Auf Bezirksebene gibt es noch viele kleine Themen, die vor der Haustür liegen – Gehwege, Radwege und vieles mehr.

Was habt ihr in letzter Zeit erreicht?

Wir haben dafür gesorgt, dass die CDU, die sich ansonsten mit dem Klischee einer alt hergekommenen Partei herumschlagen muss, auch mit einer Liste an vielen jungen Kandidaten antritt, die genau die Themenpunkte einbringen, die ich eben erwähnt habe. Aus der CDU-Bezirksliste insgesamt ist ungefähr jeder zweite Platz mit einem von der Jungen Union versehen. Bei der Abgeordnetenhaus-Liste auch. Ansonsten haben wir einen jungen Abgeordneten, Danny Freymark, aus Hohenschönhausen, der jedes Jahr Schüler einlädt, um aktuelle Themen mit ihnen zu diskutieren. Gleiches gilt übrigens auch für unseren Bundestagsabgeordneten Martin Pätzold. Wir helfen ihnen dabei, diesen Kontakt herzustellen – was ich angesichts der verbreiteten Politikverdrossenheit als eine unserer wichtigsten Aufgabe betrachte. Wir diskutieren auch viel über die Themen, die uns beschäftigen, und je nachdem wie konkret wir diskutieren, kann dabei etwas herauskommen. Zum Beispiel haben wir vor kurzem erreicht, dass die BVV einen Schulstandort für Alt-Hohenschönenhausen beim Bezirksamt beantragt hat. Es kann aber auch um sehr allgemeine Themen gehen.

Was sind die Themen, die ihr in der BVV vertreten sehen wollt?

Nun, welche Themen will man nicht sehen? Wir haben zum Beispiel einen jungen Kandidaten, Frank Teichert, der Polizist ist und darauf achten wird, wie man Sicherheit organisieren kann, auch jenseits von mehr Polizeistellen und mehr Videoüberwachung. Das geht, indem man zum Beispiel den Städtebau, der auch von den Bezirken organisiert wird, so gestaltet, dass alle Straßen und öffentliche Plätze gut beleuchtet sind. Dann gibt es noch unseren Schatzmeister, Carsten Halbach, der sich als Ingenieur für Fragen der Stadtentwicklung interessiert: Wie kann man zum Beispiel auf bezirklicher Ebene schauen, dass die Ökologie eine größere Rolle spielt? Gerade in Lichtenberg gibt es da ja viele Themen. In der Rummelsburger Bucht konnte man früher einmal baden gehen. Das geht heute nicht mehr, das wäre gesundheitsschädigend. Es gibt aber inzwischen Technologien, um das Wasser zu filtern. Doch dafür müsste es Finanzierungsmöglichkeiten geben. Allein an diesen Beispielen sieht man, dass unser Themenspektrum unglaublich breit ist – ich könnte noch weitere aufzählen.

Was sind denn die Themen, die dich persönlich beschäftigen?

Mein Thema ist die Bildung. Ich denke, dass wir die bestehenden Gebäude im Bezirk zunächst sanieren müssen. Ich war in einigen jetzt schon drin – und bin ehrlich gesagt schockiert. Die sehen manchmal so aus, als hätte seit den 90er Jahren einer nur mal kurz drüber gepinselt und das war’s. Auf Bezirksebene sollte deshalb zunächst in die Infrastruktur investiert werden. Und auf Landesebene muss man schauen, dass wir diese ganze Thematik der digitalen Bildung, das heißt die digitale Bildung durch Smartboards und iPads, aber auch digitale Bildung im Sinne des Umgang mit dem Internet bewegen. Ein anderes Thema ist die Digitalisierung insgesamt. Eine unserer Forderungen ist, dass wir im Bezirk einen Beauftragten haben, der diese ganzen Themen bündelt und sagt, was hier alles passieren muss. Wo müssen noch Leitungen verbessert werden? Welche Möglichkeiten gibt es, dadurch auch den Wirtschaftsstandort hier in Lichtenberg noch mehr zu beleben? Im Gewerbegebiet in der Herzbergstraße oder oben in Hohenschönhausen gibt es noch viele Freiflächen, in dem sich Unternehmen ansiedeln können. Wie kann die Digitalisierung es auch für Unternehmen interessanter machen, hier herzukommen?

In Lichtenberg ist das Thema Bürgerbeteiligung ja ein großes Thema…

…und auch in ganz Berlin gibt es eine Tendenz, dass immer mehr direkte Demokratie gefordert wird. Doch ich glaube nicht, dass das immer gut ist. Wichtiger wäre mir, dass die Vertreter, seien es etwa die Bezirksverordneten oder Abgeordnete im Europaparlament aus dem Bezirk, viel öfter präsent sind, um den Leuten einfach zu erklären, was da gerade passiert. Ich denke, dass viele Entscheidungen, die oft auch sehr kritisch gesehen werden, dadurch besser vermittelt werden können. Das Thema Repräsentation liegt mir sehr am Herzen. Wir müssen uns aber mehr dafür sorgen, immer ansprechbar zu sein.

Und was sind die Themen, die euch auf Berlin-Ebene besonders wichtig sind?

Das liegt nicht so weit weg von dem was ich schon erzählt habe. Neben den Themen Bildung, Digitalisierung und Wirtschaft ist es uns wichtig, den Mietmarkt für Studenten durch Wohnungsbau zu entlasten und die Verkehrswege im ÖPNV zu stärken. Ein konkretes Projekt, das uns hier in Lichtenberg mit Hinblick auf die Berlin-Ebene beschäftigt, hat unser Abgeordnete Danny Freymark angestoßen. Er hat einen Verein gegründet, der sich „Förderverein Campus für Demokratie“ nennt. Die Idee ist, dass man den vielen Leerstand im Areal des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit nutzt, zum Beispiel für Lernorte, Geschäfte oder Erinnerungskultur. Das Stasi-Museum ist ja da und die Stasi-Unterlagen Behörde soll da auch hinziehen. Um das zu entwickeln, braucht es natürlich eine Menge Geld und die kann nur das Land Berlin geben. Auf Bundesebene sind wir da schon sehr weit durchgedrungen. Das Land ist da noch ein bisschen zurückhaltender, weil sich die SPD dazu noch nicht erklärt hat. Es gibt da aber viele Potenziale, die man entwickeln kann, und das haben wir zum Beispiel auch in das Wahlprogramm für ganz Berlin schreiben lassen.

Wie würdest du das Verhältnis zwischen der Jugendpartei und der CDU beschreiben?

Das ist ein ganz hervorragendes Verhältnis. Wir wissen, dass wir nicht als eigene Partei in eigene Entscheidungspositionen gehen können. Wir könnten es, wollen es aber nicht. Deswegen werben wir beispielsweise bei der U18-Wahl, die am 9. September stattfindet, auch ganz aktiv dafür, CDU zu wählen. Wir wissen, dass nur, wenn wir eine starke CDU haben, auch die Möglichkeit haben, unsere Themen zu platzieren. Und grundsätzlich sind wir ja auch thematisch nicht so weit von der CDU entfernt.

Gibt es auch Streitpunkte zwischen der JU und der CDU?

Da gibt es sicherlich einige Themen, bei denen wir manchmal mehr drängeln als die CDU, die ja schließlich das gesamte im Blick haben muss. Aber ein Gegeneinander gibt es nicht. Es gibt vielleicht ein einziges Thema, bei dem wir eine komplett andere Position und das betrifft die Grillplätze. Wir wollen, dass mehr davon geschaffen werden, insbesondere für junge Menschen. Neben dem Theater an der Parkaue gibt es zum Beispiel einen Park mit einem Grillplatz, der immer voll ist. Die meisten stellen sich also davor, und werden dann vom Ordnungsamt abkassiert – das kostet dann jeweils 20 Euro. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Aber welche Möglichkeiten haben die Leute sonst hier? Sollen sie sich einfach auf den Balkon setzen? Ich glaube, für viele ist es einfach ein Lebensgefühl, sich an den Grill zu setzen, ein Steak oder einen Maiskolben zu essen. Deswegen wollen wir das ausweiten. Die CDU ist aber dagegen, weil die Vermüllung an diesen Plätzen viel zu groß ist. Das ist vielleicht der einzige Punkt, der so ein bisschen zu Streit geführt hat. Da ist jetzt aber nichts, von dem ich glaube, dass das unüberwindbar wäre.

Was hat dich zu der Jungen Union geführt?

Ich bin eigentlich schon von Schüler-Tagen an ein politisch interessierter Mensch und habe immer schon überlegt, einer Partei beizutreten. Und als ich fürs Studium nach Berlin gezogen bin, kam der Punkt, an dem ich es mir dann überlegt habe – und bin zur CDU gegangen. Dann habe ich die Leute von der JU kennengelernt und dachte mir, dass die witzig drauf sind. Also habe ich mitgemacht. Ich mochte die Leute. Aber auch ganz grundsätzlich war es für mich die Entscheidung für eine Partei, die wie ich finde nicht darauf setzt, dass der Staat alles reguliert, sondern darauf, dass die Leute sich selbst organisieren. Und nur da wo das nicht mehr funktioniert, den Staat braucht. Da kam für mich nur noch die CDU infrage. Meine Entscheidung habe ich nie bereut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.