Der Anspruch, Großstadtpartei zu sein

Die CDU – ein Haufen alter Männer? Philipp Dillmann, 18 Jahre und Landesvorsitzender der Schüler-Union Berlin, hält dagegen. Er will das traditionelle Bildungssystem retten; die SPD hält er im Wahlkampf für arrogant. 

Philipp Dillmann (JU) - Foto Johann Stephanowitz
„Ich finde es richtig, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen vertreten zu wollen und dabei das christliche Menschenbild als Vorbild zu nehmen“, begründet Philipp Dillmann seine Mitgliedschaft in der CDU Foto: Johann Stephanowitz

Bei vielen Jugendlichen hat die Junge Union (JU), die Jugendorganisation der CDU, einen schlechten Ruf: Ihre Mitglieder gelten als spießig und konservativ. Doch Philipp Dillmann beruhigt: „Ich kenne niemanden, der in der Schüler-Union ist und sich wie ein 60-jähriges CDU-Mitglied verhält.“ Seit Januar ist Philipp Berliner Landesvorsitzender der Schüler-Union. Im Sommer hat der 18-jährige Abitur gemacht und will nun BWL studieren. Also doch ein typischer Unionsvertreter wie man ihn sich vorstellt?

Schon immer politisch interessiert

„Ich habe mich schon immer für Politik interessiert“, sagt Philipp. „Doch irgendwie war das für mich nicht fassbar, weshalb ich beschloss, in eine Partei zu gehen.“ Er liest die Programme und Positionen der Parteien, die er grundsätzlich ansprechend findet. Schnell ist klar, dass er zur CDU gehen will. „Ich finde es richtig, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen vertreten zu wollen und dabei das christliche Menschenbild als Vorbild zu nehmen“, begründet er seine Mitgliedschaft bei den Christdemokraten.

„Gerade in der Bildungspolitik war die CDU die einzige Partei, der ich in allen Punkten zustimmen konnte.“ Natürlich geht es der CDU, wie allen anderen Parteien, darum, marode Schulgebäude zu sanieren und den Lehrermangel zu beseitigen, doch insgesamt müsse man laut Philipp eher aufpassen, „dass die Situation nicht schlechter wird.“ Er verweist hier auf den neuen Rahmenlehrplan in Geschichte, nach dem die bisher voneinander getrennten Fächer Geschichte, Geographie und Sozialkunde zu einem Fach verschmelzen. Außerdem sieht er das Fehlen einer Vorschule als kritisch an, weil diese die Kinder gut auf die Schule vorbereitet.

Doch am meisten kritisiert Philipp die von SPD und anderen linken Parteien ins Spiel gebrachte Abschaffung der Gymnasien zugunsten der Einheitsschule. „Man muss die verschiedenen Leute auch verschieden fördern“, findet er. Er selbst hat auf dem Arndt-Gymnasium sein Abitur gemacht, eine altsprachlich-humanistische Schule, die seit Jahren einer der besten Abiturdurchschnitte von Berlin hat – im zugegeben doch sehr bürgerlichen und CDU nahen Berlin-Dahlem.

In der CDU und für die Homo-Ehe

In der Schule musste sich Philipp anfangs viel Unverständnis für sein Engagement in der CDU anhören. „Was soll denn das? Der Typ von der CDU, von der Jungen Union, der Spießer!“, zitiert er seine Mitschüler. „Aber alle, die mich wirklich kannten, wussten, dass ich nicht so bin.“ Sein Freundeskreis hat sich zwar sicherlich durch seine CDU-Mitgliedschaft verändert, doch „nun merkt man wer wirklich zu einem passt und wer weniger.“

Das die CDU in den letzten Jahren mehr in die Mitte gerückt ist, sieht auch Philipp und findet das auch gut. Manch konservative Standpunkte bleiben. Dass das bei manchen jungen Leuten nicht immer gut ankommt, kann er verstehen. So ist einer der großen Streitpunkte innerhalb der Partei noch immer die Ehe für alle. Im vergangenen Jahr gab es dazu einen Mitgliederentscheid auf Landesebene – ein absolutes Novum für die Christdemokraten, die sonst vieles nur in internen Gremien entscheiden. Damals war eine knappe Mehrheit gegen die Homo-Ehe, Philipp war dafür. Doch er bleibt optimistisch: „Viele in der Jungen Union sind dafür. Daran erkennt man, wo künftig die Tendenz hingeht.“

Wahlkampf mit neuen Mitteln

Jetzt im Wahlkampf versucht die CDU neue Wege zu gehen, um junge Wähler zu erreichen. So hat man das Wahlprogramm in einen 30-minütigen Film gepackt, der als DVD verteilt wird und auch im Internet zu finden ist – bisher ist das deutschlandweit einmalig. Außerdem gibt es eine App für den Haustür-Wahlkampf, die es durch Umfragen leichter machen soll, mit den Wählern ins Gespräch zu kommen. Bisher sei die Resonanz darauf sehr gut, merkt Philipp an. 

In der Schüler-Union selbst kandidieren viele für die Bezirksverordnetenversammlungen, Onur Bayar, Vorsitzender der Schüler-Union in Neukölln, sogar für das Abgeordnetenhaus, wenn auch in einem sehr schwierigen Wahlkreis. „Dennoch motiviert es, als Schüler-Union jemand in den eigenen Reihen zu haben, der für so hohe Ämter kandidiert“, findet Philipp. „Jeder fängt klein an, aber wenn man weiß, dass man in der Partei ernst genommen wird, lohnt es sich zu kämpfen.“ Er selbst kandidiert für die BVV in Charlottenburg-Wilmersdorf, wenn auch auf einem eher wenig aussichtsreichen Listenplatz seiner Partei.

Noch sei alles offen

Die Stimmung in der Berliner CDU ist im Moment sehr gut, meint Philipp und gibt sich abermals optimistisch, schließlich sei ja laut Umfragen noch vieles offen. „Die Grünen, die SPD und auch die CDU können stärkste Kraft werden – ist alles nicht auszuschließen. Wir werden jedenfalls dafür kämpfen, möglichst viele Prozente zu kriegen, um hoffentlich wieder in die Regierung zu kommen.“ Scharf kritisiert er deshalb die SPD, die im Wahlkampf ein Fortbestehen der Großen Koalition schon ausgeschlossen hat und offen mit den Grünen flirtet. „Das ist eine gewisse Arroganz, die die SPD hat. Seit Jahrzehnten an der Regierung zu sein und dann schon vor der Wahl zu sagen: So und so wird’s aussehen – das geht gar nicht!“

„Auch die CDU hat den Anspruch, Großstadtpartei zu sein“, betont Philipp abschließend. Und sollte es nicht klappen und sich die CDU nach dem 18. September in der Opposition einfinden müssen, ist für ihn zumindest eins klar: Die Partei wird keinesfalls mit der AfD zusammenzuarbeiten, sollten die Rechtspopulisten den erwarteten Einzug schaffen. 

Selbst möchte sich noch nicht auf eine politische Karriere festlegen. „Erstmal studieren, dann wird man weitersehen.“ Doch einmal Abgeordneter zu sein – das würde er schon interessant finden.

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