Lichtenberg für alle

Daniela Ehlers (24), Jurastudentin und Mutter, ist Direktkandidatin der Grünen in Lichtenberg, wo sie auch für die BVV kandidiert. Zu ihren Themen zählen Frauenrechte, Naturschutz und der Ärztemangel im Kiez.

daniela-ehlers-gruene-jugend-foto-henrik-nuernberger
„Ich war immer in einem sehr politischen Umfeld, in dem ich mich früh engagiert habe – ob gegen Rechts, gegen Atomkraft oder für Frauenrechte“, sagt Daniela Ehlers, BVV-Kandidatin für die Grünen in Lichtenberg. Foto: Henrik Nürnberger

Was bewegt euch zurzeit in Lichtenberg?

Gerade bei mir im Wahlkreis ist das Thema Anti-Rechts ein wichtiges Anliegen, wir setzen uns für eine offene Gesellschaft und Demokratie ein. Sehr präsent ist das Thema Mieten, weil die Gentrifizierung mittlerweile immer mehr aus Friedrichshain nach Lichtenberg rüberschwappt. Gerade im Süden des Bezirks, im Weitlingkiez und der Rummelsburger Bucht ist das ziemlich relevant. Dort ist es wichtig, Milieuschutzgebiete einzurichten, um die Bewohner vor Verdrängung zu schützen. Wir haben außerdem das Problem, dass wir offiziell ein familienfreundlicher Bezirk sind und es tatsächlich auch relativ viele Wohnungen für Familien mit kleinen Kindern gibt, aber die Infrastruktur insgesamt einfach fehlt: Wir haben zu wenige Schulen, zu wenig Kitaplätze und wir haben zu wenige Ärzte. Aktuell können sich Ärzte ja in ganz Berlin ansiedeln und die Attraktivität, dies in Lichtenberg zu tun, ist leider deutlich niedriger als in Mitte oder Charlottenburg-Wilmersdorf. Deshalb müssen viele woanders hinfahren. Deshalb regen wirSanierungen und Neubauten an, um für Praxen geeignete Räume zu schaffen. Wir wollen ein grundsätzliches Umwandlungsverbot von Wohn- in Geschäftsräume, hier allerdings mit Ausnahme für Praxen. Ärzte können sich auch in Mietwohnungen ansiedeln, da können Ausnahmen geschaffen werden.

Was habt ihr als Grüne Jugend auf Bezirksebene erreicht?

Momentan haben wir leider keine aktive Bezirksgruppe, aber wir sind viele junge Leute, die auch bei den Grünen Mitglied sind. Wir sind ein junger Kreisverband. Da auch Lichtenberg immer jünger wird, weil hier viele günstigen Wohnraum finden, fließen unsere Perspektiven in der Partei ein. Als Grüne haben wir relativ intensiv das Entwicklungskonzept Rummelsburger Bucht mitgestaltet und auch bei der letzten BVV durchgebracht, den See als Naherholungsgebiet für alle zu erhalten.

Welche Themen wollt ihr künftig in der BVV vertreten sehen?

Klar: Natur- und Umweltschutz, hier insbesondere der Ruschegraben, der stark verschmutzt ist. Sobald es regnet, kommen hier jede Menge Abwässer rein und damit letztlich auch in die Rummelsburger Bucht. Noch dazu ist der Boden der BUcht aus DDR-Zeiten stark verschmutzt. Der intensive Bootsverkehr spült den Dreck immer wieder auf. Kurzfristig wollen wir den Verkehr hier begrenzen, mittelfristig uns aber natürlich dafür stark machen, dass hier ein neues Abwassersystem und eine Kläranlage hinkommt. Bei der Planung des Bahnhofs Ostkreuz hatte man den Ruschegraben völlig vergessen, deshalb zieht sich der Bau hin. Hier besteht also sehr viel Handlungsbedarf. Mieten, Milieuschutzgebiete, alles das sind zudem wichtige Themen und, wie angesprochen, die Familienfreundlichkeit. Hier braucht es mehr Infrastruktur, vor allem kurze Wege, um mehr Vereinbarkeit möglich zu machen im Bezirk. Lichtenberg muss attraktiv bleiben für Menschen jedes Alters. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir in der BVV klare Kante gegen Rechts zeigen müssen.

Du hast die Familienfreundlichkeit angesprochen. Du bist Mutter eines einjährigen Sohnes. Inwieweit betrift dich das Thema auch ganz persönlich?

Ich hab tatsächlich noch keinen Krippenplatz. Für ganz kleine gibt es zum Beispiel auch viel zu wenige Plätze im Bezirk. Ich stehe auf Wartelisten. Allerdings hoffe ich natürlich darauf, an der Uni einen Kitaplatz zu bekommen, da ich nach meiner Mutterschaft weiter studieren und die Kindererziehung parallel organisieren will.

Was bewegt dich persönlich noch so?

Was mich innerhalb der Grünen noch sehr stark bewegt, ist die Frauenförderung. Das Thema war auch eine der Gründe, warum ich zu den Grünen gegangen bin. Es gibt 51 Prozent Frauen in der Gesellschaft, aber deutlich weniger in der Politik. Selbst bei uns Grünen ist das noch nicht ansatzweise ausgeglichen. Ich finde es wichtig, Frauenförderung in der Partei und der Gesellschaft zu betreiben. Hier sind wir auch wieder bei dem Thema der Vereinbarkeit, weil das leider noch immer mehr die Frauen betrifft. Da bestehen noch viele Barrieren. Im Bezirk können wir dafür Frauenvereine weiterhin fördern, wir können uns für kürzere Wege einsetzen, wir können uns für die Schulen stark machen, weil Infrastruktur ein zentrales Thema ist, das wir auf Bezirksebene angehen können. Ansonsten muss natürlich viel auf Landes- und Bundesebene passieren.

Was sind denn Themen, die euch als Grüne Jugend auf Berlinebene wichtig sind?

Wir haben sehr viel zum Thema kostenloser ÖPNV gearbeitet und haben es hinbekommen, dass das jetzt auch im Wahlprogramm steht. Wir wollen einen umlagefinanzierten Nahverkehr haben. Die Leute sollen verstärkt aufs Rad und den Nahverkehr umsteigen können und nicht das Auto als Hauptverkehrsmittel zu nutzen. Autoverkehr ist auch nicht das ist, was öffentlich vorrangig gefördert werden. Was wir als Grüne Jugend noch stark gemacht haben, ist natürlich das Thema Schule: Wir wollen eine Schule für alle. Das mittelfristige Ziel ist, Gemeinschaftsschulen als das Schulmodell in Berlin zu etablieren. Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen. Dafür haben wir von der Grünen Jugend viel für gekämpft.

Wie ist das Verhältnis der Grünen Jugend zur Partei?

Wir sind unabhängig, haben aber doch relativ viel Einfluss, weil wir am Wahlprogramm klar mitgeschrieben haben. Wir haben sehr viel Änderungen eingebracht, wie den schon genannten umlagenfinanzieren ÖPNV. Im Thema Bildung konnten wir viel einbringen und auch im Innen- und Rechtsbereich. Nicht zuletzt haben wir auf der Landesliste noch June Tomiak, unsere junge Kandidatin, die auf einem aussichtsreichen Listenplatz steht und damit auch die Grüne Jugend im Abgeordnetenhaus vertreten wird. Das zeigt, dass wir in einem guten und sehr engen Verhältnis zur Partei stehen.

Gibt es auch Streitpunkte?

Das Thema Schule ist immer wieder ein Streitpunkt, zum Beispiel das Thema Privatschulen. Die werden von Teilen der Partei noch sehr gefördert, was wir nicht für richtig erachten, und das Thema Gymnasien, die wir zugunsten des Gesamtschulmodells abschaffen würden. Natürlich wurde auch zum kostenlosen ÖPNV viel gestritten, da sind nicht alle von überzeugt. Auch im Thema Drogenpolitik gehen wir noch einen Schritt weiter als es die Beschlusslage der Partei ist.

Warum bist du bei den Grünen beziehungsweise der Grünen Jugend?

Ich bin in Mölln groß geworden. Das war zu der Zeit, als es den schlimmen Brandanschlag durch Nazis mit drei Todesopfern gab. Dazu bin ich feministisch erzogen worden und hatte das AKW Krümmel um die Ecke. Das war also immer ein sehr politisches Umfeld, in dem ich mich früh engagiert habe – ob gegen Rechts, gegen Atomkraft oder für Frauenrechte. So bin ich vor sechs Jahren zur Grünen Jugend gekommen. Anfangs war ich Schleswig-Holstein aktiv, bin dann aber vor dreieinhalb Jahren nach Berlin gezogen. Hier bin ich aktiv geblieben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.