Kinder und Jugendliche hatten die Wahl

Die symbolische U18-Wahl ist gelaufen: Geht es nach den 25.000 Berliner Kindern und Jugendlichen würden Piraten und die Tierschutzpartei ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die Sozialdemokraten gewinnen nur hauchdünn vor den Grünen.

Quelle: AAA SPI Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik U18 Abgeordnetenhauswahl
U18-Wahl am 9. September 16 Grafik: AAA SPI Drehscheibe Kinder- und Jugendpolitik U18 Abgeordnetenhauswahl

Den Kindern eine Stimme geben

Während der Wahlkampf für die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) und das Abgeordnetenhaus (AGH) auf Hochtouren läuft, steht für 25.000 Kinder und Jugendliche schon längst fest, welche Parteien das Sagen haben sollen. Wenn man noch nicht 18 ist, hat man bei Wahlen meistens kein Stimmrecht. Ausnahme ist die BVV-Wahl, dort darf man in Berlin schon ab einem Alter von 16 Jahren teilnehmen.

Die Politik der Abgeordneten betrifft aber nicht nur „die Großen“. Um Minderjährige zu motivieren, sich zu informieren und sich eine politische Meinung zu bilden, gibt es seit 1996 die sogenannte U18-Wahl. Das erste Mal wurde diese 1996 in einem Berliner Wahllokal durchgeführt. Inzwischen gibt es die Aktion nicht nur auf Landes- und Bundesebene. Auch bei den Europawahlen dürfen Kinder und Jugendliche neun Tage vor den „echten“ Wahlen ihre Meinungen äußern. Bei den U18-Wahlen dürfen Minderjährige aller Nationalitäten teilnehmen.

Wählen wie die Großen

Viele der U18-Wähler setzen dieses Jahr das erste Mal ihr Kreuz auf einen Stimmzettel. Für sich selbst dabei die richtige Entscheidung zu treffen, ist gar nicht so leicht. Selbst viele Erwachsene wissen bis sie in der Wahlkabine stehen nicht, wer ihre Stimme bekommen soll.  Wer wählen möchte, sollte sich deshalb im Voraus gründlich informieren. Die Website der U18-Wahl hat zu diesem Zweck einige Themenbereiche der Wahlprogramme zusammengefasst und teilnehmenden Organisationen und Schulen zur Verfügung gestellt:

Wie intensiv sich die Kinder und Jugendlichen vor der Wahl mit den Versprechen der Parteien auseinandersetzen, bleibt ihnen im Endeffekt selbst überlassen – genau wie den Ü18-Wählern bei den „echten“ Wahlen.

Die U18-Wahl soll so wirklichkeitsgetreu wie möglich ablaufen. Am Wahltag bauen die teilnehmenden Wahllokale Kabinen und Urnen auf. Die Stimmzettel sind auf den Wahlbezirk der Teilnehmer abgestimmt. Wie bei den „richtigen“ Wahlen, vergeben die Wähler geheim ihre Erst- und Zweitstimme und werfen den gefalteteten Stimmzettel in die Wahlurne. Gewählt werden kann zwischen 8 und 18 Uhr. Sobald die Wahlergebnisse öffentlich von den Jugendlichen ausgezählt wurden, werden sie an die Wahlzentrale übermittelt. Meistens wird das Ergebnis noch am selben Tag veröffentlicht.

Quelle: JFE Mikado
Wählen wie die Großen, frei und vor allem geheim! Foto: JFE Mikado

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Ein Kreuz neben einer Partei oder einem Namen zu machen, scheint nicht schwer zu sein. Wer gewählt hat, muss aber auch damit leben, was er durch seine Stimmabgabe ermöglicht oder verhindert hat. Sich bewusst für eine Partei zu entscheiden, bedeutet für die nächsten fünf Jahre große Entscheidungskompetenzen zu übertragen – wenn auch erst einmal nur symbolisch bei der U18-Wahl.

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen können in den folgenden Jahren beobachten, ob die Partei, die sie gewählt hätten, ihre Wahlversprechen umsetzt oder nicht. Die Teilnahme an der U18-Wahl könnte so in der Zukunft für eine reflektiertere Stimmabgabe bei der „echten Wahl“ sorgen. Möglicherweise müssen sich Teilnehmenden der U18-Wahl, wenn sie erwachsen sind, nicht erst in der Wahlkabine entscheiden, wem sie ihre Stimme geben.

Das Wahlergebnis

An der Berliner U18-Wahl 2016 nahmen über 25 000 Kinder und Jugendliche teil. Die meisten Stimmen erhielt die SPD mit 23,75 Prozent, dicht gefolgt von den Grünen mit 22 Prozent. Drittstärkste Partei wurde die CDU, allerdings weit hinter der SPD und den Grünen mit 14,5 Prozent der Stimmen. 10,5 Prozent der Stimmen erhielt die Linke. Die Piraten, die laut aktuellen Prognosen bei der anstehenden Wahl nicht ins Abgeordnetenhaus einziehen werden, erhielten bei der U18-Wahl ganze 6,3 Prozent der Stimmen und lagen damit knapp hinter der Tierschutzpartei, die auf 8,6 Prozent der Stimmen kam. 14,3 Prozent der U18-Stimmen wurden an andere Parteien vergeben, die aber jeweils nicht die 5-Prozent-Hürde überwinden konnten.

Besonders deutlich weicht das Ergebnis der U18-Wahl in zwei Punkten von den Prognosen zur AGH-Wahl am 18. September in Berlin ab. Die bei den Kindern und Jugendlichen beliebte Tierschutzpartei, die in ihrem Grundsatzprogramm erklärt, „Mensch, Tier und Natur sind eine untrennbare Einheit“, wird nach aktuellen Einschätzungen nicht in das Abgeordnetenhaus einziehen. Bei den Minderjährigen viel weniger beliebt als bei den erwachsenen Wählern ist die AfD (Alternative für Deutschland), die bei den „echten“ Wahlen sehr gute Chancen auf Sitze im Abgeordnetenhaus hat. Bei der symbolischen U18-Wahl erhielt die rechtpopulistische Partei 910 Stimmen, was 3,51 Prozent entspricht. Wäre die U18-Wahl also eine „echte“ Wahl, hätte die AfD wegen der Sperrklausel keine Sitze im Berliner Abgeordnetenhais erhalten.

 

Grafik: U18-Wahl Berlin Wahlergebnis
Die Zweitstimmenergebnisse der U18-Wahl im Überblick Grafik: U18-Wahl Berlin Wahlergebnis

Teilnehmer und Organisatoren der U18-Wahl erhoffen sich, dass Erwachsene die politische Orientierung junger Menschen in Zukunft berücksichtigen werden. Zu hören ist das zum Beispiel auf dem Blog vom freien Kanal ALEX. Schließlich haben auch Kinder und Jugendliche eine Meinung zur Politik in Berlin, auch wenn sie ihre Stimmen nur symbolisch bei einer U18-Wahl vergeben dürfen.

 

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